10 Jahre OPERNALE – Musiktheater auf dem platten Land

Sopranistin Jacoba Arekhi (l.) und Henriette Sehmsdorf (r.)

„Ein Glas aufs Land und eins auf die See“ will die OPERNALE in diesem Jahr erheben und mit viel Musik eine vorpommersche Geschichte über das Kommen, Gehen und Bleiben erzählen. Schlager, Chanson und Shanty sollen dabei neben Popsong, Kunstlied und Opernarie erklingen. Der anstehende 30. Geburtstag des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern brachte OPERNALE Chefin Henriette Sehmsdorf auf diese Idee. „Wir werfen einen Blick zurück ins Meer der Geschichte und angeln ein paar denkwürdige Geschichten heraus, die zu einer neuen Handlung verknüpft werden“, sagt sie.

Natürlich will die OPERENALE auch mit dem neuen Stück wieder auf Tour gehen – diesmal vom 21. August bis 27. September in acht Aufführungsorte zwischen Peenemünde und Ueckermünde. So ist der Plan. Die Vorbereitungen laufen in der Zuversicht, dass es gelingt, das Corona-Virus bald in die Schranken zu weisen.

Nicht nur das Land hat in 2020 einen runden Geburtstag, sondern auch die OPERNALE. Seit 10 Jahren bringt sie Musiktheater an ungewöhnliche Veranstaltungsorte im ländlichen Raum. Ob Kirchen, Herrenhäuser, Scheunen, Gasthäuser oder Vereinsräume – es ist ihr Anliegen, die vielen lokalen Kulturakteure in ihrem Bemühen zu unterstützen, neue Besucher zu gewinnen und Identifikation zu stiften. Einführungs- und Kinderveranstaltungen, geführte Spaziergänge, kulinarische Angebote verschiedenster Art sowie Lesungen, Podiumsdiskussionen, Publikumsgespräche, Nachtkonzerte und Kunstausstellungen gehören zum Gesamterlebnis OPERNALE Festival. Jedes Jahr neu und überraschend aber immer professionell und mit regionalem Bezug.

Opernale Team v.l.n.r.: Jacoba Arekhi, Uta Schiebel, Hans-Henning Bär, Toni Koch, Ute Schindler, Henriette Sehmsdorf

Henriette Sehmsdorf, Künstlerische Leiterin der OPERNALE, Regisseurin und gebürtige Greifswalderin erinnert sich: „Die Idee für das Festival hatte mein Partner Hans-Henning Bär, der von Hause aus Restaurator ist. Seinetwegen bin ich 2008 von Dresden zurück nach Vorpommern gezogen. Wir erwarteten unser erstes gemeinsames Kind. Doch meine beruflichen Aussichten als Opernregisseurin sahen eher mau aus. Um mir Mut zu machen, schlug er mir vor, hier ein Opernfestival zu gründen. Ich erklärte ihn für vollkommen verrückt. Dann traf ich im Mai 2010 in der Rostocker Musikhochschule einen alten Bekannten wieder: den Sänger Christoph Kayser. Er war begeistert und meinte: Wenn ihr das durchzieht, dann mach ich euch das KBB (Künstlerisches Betriebsbüro). Damit waren wir zu dritt und ich hatte den Mut, die Sache ernsthaft anzugehen. Wir gründeten einen Verein, den Opernale e.V. Sundhagen, dem es als juristische Person des privaten Rechts möglich ist, Fördermittel für Projekte zu beantragen. Hans-Henning wurde Vorsitzender und wir stellten den ersten Förderantrag.“

Mit einem Fest der Künste, bei dem Mozarts Musikalische Komödie „Der Schauspieldirektor“ im Mittelpunkt stand, legte die OPERNALE schließlich 2011 einen imposanten Start hin.

Ab 2014 gab es regelmäßig Uraufführungen und 2016 noch einmal Mozart – aber ganz anders: „De Zauberfläut – oder Niederdeutsch kreuzt Hochkultur“. Hier trafen zwei Fangemeinden zusammen: die Freunde der klassischen Oper und die Freunde des Niederdeutschen.

Die Publikumsresonanz wuchs von Jahr zu Jahr. Schaut man sich die Grafik der Aufführungsorte an, wird deutlich: Die OPERNALE ist tatsächlich ansteckend – mit kulturellen Impulsen auf dem platten Land. 115 Musiktheater-Aufführungen in über 50 Orten werden es am Ende dieses Jahres sein.

Die Auszeichnung als Bundessieger Kultur im „Land der Ideen“ brachte 2014 überregionale Aufmerksamkeit.2015 erhielt der Opernale e.V. den Kulturförderpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern. 2016 wurde die OPERNALE Neulandgewinner der Robert-Bosch-Stiftung. „Durch die damit verbundene Unterstützung konnten wir uns zum Opernale INSTITUT für Musik & Theater in Vorpommern weiterentwickeln“, fügt Henriette Sehmsdorf an. „Über das Festival hinaus gibt es nun weitere vier Handlungsfelder. Wir entwickeln Bildungs- und Teilhabeangebote, gestalten mit unseren Künstlern Programme nach Wunsch und begeben uns auf kulturgeschichtliche Entdeckungsreisen. Letztere führten bereits auf die Spuren von Sibylla Schwarz und Alwine Wuthenow. In Vorbereitung auf das Festival 2021 konzentriert sich unsere Aufmerksamkeit auf Luise Greger. Die Komponistin, Pianistin und Sängerin wurde 1861 in Greifswald geboren und verbrachte ihre ersten 26 Lebensjahre in der Hansestadt bevor sie nach Kassel zog.“

Seit Februar dieses Jahres ist das Opernale INSTITUT auch Teil der bundesweiten Initiative für kulturelle Bildung „Künste öffnen Welten“. In den Februarferien startete das dreijährige Bildungs-Projekt „Der Schreiadler als Opernheld“. 35 Mädchen und Jungen ließen ihrer Kreativität freien Lauf. Partner für diesen und weitere Workshops sind die Grundschule in Brandshagen und der Kita Verein Wirbelwind e.V. in Sundhagen.

 

Die bisherigen Aufführungen im Überblick:

  • 2011 Der Schauspieldirektor
    Musikalische Komödie von W. A. Mozart
  • 2012 Die Bettlerdamen – Uraufführung
    Ein musikalisch-theatralischer Streifzug durch das nächtliche London von 1720
    von Henriette Sehmsdorf
  • 2013 Die Bettleroper
    Musikalische Komödie nach John Gay und John Christopher Pepusch
    Fassung: Henriette Sehmsdorf und Catrin Darr
  • 2014 ISt Lieb ein Feur – Uraufführung
    Musiktheaterstück über die pommersche Barockdichterin Sibylla Schwarz
    von Henriette Sehmsdorf nach einem Theaterstück von Ulrich Frohriep
    Komposition: Doreen Rother
  • 2015 Das Wohnzimmerkonzert
    Die Highlights der vergangenen OPERNALE-Jahre bei Gastgeber*innen in der Nähe
  • 2016 De Zauberfläut oder Niederdeutsch kreuzt Hochkultur
    Ein Fest der Künste auf Schloss Bröllin und Schloss Griebenow
    Musik: W. A. Mozart
  • 2017 Käthe, Alwine, Gudrun – Uraufführung
    Drei Frauen, drei Zeiten, eine Wurzel – weibliche Erben der Reformation
    Musiktheater von Henriette Sehmsdorf nach einer Textvorlage von Ulrich Frohriep
    Komposition: Benjamin Saupe
  • 2018 Weihnachtskonzerte
    Pommersche Geschichten und Gesänge
  • 2019 Clanga pomarina. Die Schreiadleroper  – ­ Uraufführung
    Musiktheater mit Puppenspiel von Henriette Sehmsdorf
    Komposition: Benjamin Saupe

 

Geplante Termine und Aufführungsorte 2020:

  • Fr, 21.08., 20 Uhr Heineschuppen der Museumswerft Greifswald
  • So,23.08., 17 Uhr Vorpommernhus Klausdorf
  • Fr, 28.08., 20 Uhr Historisch-Technisches Museum Peenemünde
  • So, 30.08., 17 Uhr Marina Neuhof, Sundhagen
  • Fr, 11.09., 20 Uhr Kino Ueckermünde
  • So 13.09., 15 Uhr Kunstmühle Jarmen
  • Fr, 25.09., 20 Uhr Voelschow Berg, Demmin
  • So, 27.09., 17 Uhr Barther Boddenbühne
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